Artikl in der Tagespost vom 11. 4. 2018 über Elternkompetenz von Christa Meves
Kompass für Elternkompetenz.pdf
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Aufbruch zur Klarheit in der Wirrnis unserer Zeit
2013-10 Deutscher Schulbuchpreis.pdf
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Warum Familie Mainstream bleiben muss
Ein Artikel von Christa Meves veröffentlicht in der Zeitschrift "Z für Zukunft"
Warum Familie Mainstream bleiben muss.pd[...]
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Entscheidungen
Ein Artikel von Christa Meves veröffentlicht in der Zeitschrift Vision 2000
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Glückliche Kinder sind kein Zufall
Ein Artikel von Christa Meves veröffentlicht in der Zeitung Vision 2000
Glückliche Kinder sind kein Zufall Visio[...]
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Bildungslüge
Ein Artikel von Christa Meves veröffentlicht in der Zeitschrift "Z für Zukunft"
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Die Bedeutung der frühen Kinderjahre
Ein Artikel von Christa Meves veröffentlicht in der Zeitschrift Vision 2000
Die Bedeutung d. frühen Kinderjahre f.d.[...]
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Umgang mit den Medien
Ein Artikel von Christa Meves veröffentlicht in der Zeitschrift Vision 2000
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Gleichberechtigt doch verschieden
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Familie muss Mainstream bleiben
Ein Artikel von Christa Meves veröffentlicht in der Zeitschrift "Z für Zukunft"
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Kompass für die Elternkompetenz

Was Eltern, Politik und Wirtschaft tun können für das Wohl der Familie. Von Franz Salzmacher

Hat die Politik die Eltern aufgegeben? Oder sieht sie in ihnen nur eine lästige Konkurrenz? Diesen Eindruck könnte man gewinnen, wenn man die Äußerungen vieler Politiker hört – aus dem rotgrünen Lager sowieso, aber auch aus den C-Parteien –, die die Erziehung in „professionelle Hände“ geben wollen oder den Eltern nur den Umgang mit Schnaps und Tabak zutrauen, nicht aber mit Kindern. Das mag daran liegen, dass die Politik in Funktion der Wirtschaft denkt und diese den immer größer werdenden Fachkräftemangel vor allem mit jungen, gut ausgebildeten Frauen beheben will, die in der Regel auch preiswerter sind und, wenn sie Kinder haben, weniger zum Wechsel der Arbeitgeber neigen. Deshalb fehlt bei nahezu keiner Studie der Bertelsmann-Stiftung oder bei Berichten, Studien und Gutachten, die von der Bundesregierung in Auftrag gegeben wurden, der Hinweis, dass dank der Kita-Plätze mehr Frauen die Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf besser organisieren könnten und das Platzangebot weiterhin ausgebaut werden müsste. Um den wirklichen Bedarf oder gar die Qualität der Krippen, mithin das Kindeswohl, kümmerte man sich in den Debatten der zwölf Merkel-Jahre kaum. Erst jetzt, zwölf Jahre nach Beginn der Krippenoffensive in der ersten Großen Koalition, kommt langsam eine Qualitätsdiskussion in Gang – die „Orte der Aufbewahrung“ sollen zu einem „Zwergencampus“ werden, wie die FAS schreibt.

Diese Qualitätsdiskussion hat mit dem Effizienzkult, der in Wirtschaft und Politik betrieben wird, zu tun. Langsam werden aber auch die negativen Folgen fehlender Bindung bemerkbar. Denn das Kindeswohl ist eine Frage der Bindungsqualität und Bindung braucht Zeit. Deshalb geht die Qualitätsdebatte auch die Eltern an. Auch in den Familien wäre eine Qualitätsdiskussion sinnvoll. Denn unbestritten ist, dass es in Deutschland auch an Elternkompetenz mangelt – auch weil es an Zeit fehlt. Der Zeitfaktor schwingt überall mit und war schon bei Pestalozzi präsent. Der große schweizer Pädagoge hatte mit seinen „drei Z“ – Zeit, Zuwendung, Zärtlichkeit – eine erste Zusammenfassung elterlicher Kompetenz geboten. Dabei ist die Zeit die Voraussetzung für die anderen beiden Z. Ohne Zeit gibt es weder Zuwendung noch Zärtlichkeit. Die Diskussion um mehr Elternkompetenz im Sinne einer besseren Bindungsqualität dreht sich daher auch um eine bessere, sprich effizientere Organisation des Zeitmanagements. Hier haben Eltern allerdings einen natürlichen Vorteil vor den Funktionären aus Politik und Wirtschaft. Für sie stehen nicht Produktion und Profit an erster Stelle, sondern die Person. Für sie bedeutet Erfolg nicht Fortschritt in der Karriere, sondern persönliche Erfüllung von Mutter/Vater und Kind, nicht mehr Geld, sondern mehr Glück.

Wegen dieses natürlichen Vorteils, man könnte auch sagen wegen dieses Heimvorteils oder dieser Prioritäten des Herzens, die in staatlichen Programmen nicht zu finden sind, ist es nur zu verständlich, dass man Programme zur Förderung wirklicher Elternkompetenz vor allem im privaten Bereich findet. Hier hat sich eine Parallelwelt entwickelt, die freilich Licht und Schatten bietet. Die Bibliothek der Erziehungsratgeber ist schier unendlich und unübersichtlich. Eltern sind zunächst gut beraten, wenn sie sich an Personen halten, deren wissenschaftliche Kompetenz lebensnah und praktikabel ist. Und die mit dieser Kompetenz viele direkte und indirekte Erfahrungen gesammelt haben. Und die außerdem einer Leitlinie folgen, die keiner Ideologie und keinem Effizienzkult untergeordnet ist. Für Christen kann diese Leitlinie nur die verzeihende Liebe sein. Eine erfahrene Mutter und Großmutter hat das mal auf die Formel gebracht: Erziehung mit Liebe ist immer ein Erfolg.

Wer diesen Kriterien – wissenschaftliche Kompetenz, Erfahrung und verzeihende Liebe – als Kompass folgt, der wird viele Bücherwände aus der Bibliothek der Erziehungsliteratur schon ausschließen können, etwa die Bücher und Autoren, die die Disziplin zum obersten Maßstab der Erziehung erheben. Er wird dann auf Autoren stoßen, die im Mainstream nur gelegentlich von sich reden machen, aber dafür umso mehr Wege des Gelingens, Wege zum Glück aufzeigen. Da ist in erster Linie die Grande Dame der Erziehungslehren, Christa Meves, zu nennen. Sie hat mehr als hundert Bücher geschrieben, die in 13 Sprachen übersetzt wurden und in einer Auflage von rund sieben Millionen Exemplaren erschienen sind. Sie ist eine der ganz wenigen, die schon früh die Fehlentwicklungen der 68-er Revolte und der Mütter-Entbehrung erkannt haben. Sie handelte und wirkte praktisch dagegen, mit Büchern und mit einer Praxis für Kinder-und Jugendlichenpsychotherapie, die sie immer noch, wenn auch etwas eingeschränkt, mit ihren heute 93 Jahren betreibt. 1981 gründete der Herder-Verlag den Freundeskreis Christa Meves, den sie und ihr Schwiegersohn Horst Schetelig 1996 zu dem Verein Verantwortung für die Familie (VFA e. V.) erweiterten. Hieraus ging dann unter ihrer Leitung das ECCM (Eltern-Colleg Christa Meves), eine fortbildende Elternschule, hervor. Es ist geradezu logisch, dass sie und ihre Theorien, die inzwischen von der Hirn- und Bindungsforschung vielfach bestätigt wurden, im Mainstream angefeindet werden und dass diese linksliberale Polemik auch bei Wikipedia ihren Niederschlag findet. Aber gerade diese ideologisch getränkte, feindselige und in der Sache unbegründete Polemik ist heute wohl ein Ausweis für die Stimmigkeit der Therapien und Thesen von Christa Meves.

Langsam ins Visier des linksliberalen Mainstreams scheint auch ein anderer Autor zu geraten: Albert Wunsch, Psychologe, Erziehungswissenschaftler sowie Paar-, Erziehungs- und Konfliktberater mit eigener Praxis. Von seinen Büchern erreichten die Titel „Die Verwöhnungsfalle“, „Abschied von der Spaßpädagogik“ und „Boxenstopp für Paare“ Bestsellerstatus. Auch er arbeitet lebensnah an der Erhöhung der Elternkompetenz. Zu nennen wären in diesem Sinn auch Jesper Juul, Remo H. Largo, Gisela Preuschoff, Jan-Uwe Rogge, Jirina Prekop und der leider zu früh verstorbene Wolfgang Bergmann. Sein Werk wird überaus verdienstvoll fortgesetzt von der „Stiftung Zu-Wendung für Kinder“ mit einem informativen und praxisnahen Newsletter. Erwähnenswert ist auch eine Initiative von Eltern für Eltern, das Institut für Elternbildung, IEB. Auch einige amerikanische und ins deutsche übersetzte Autoren sind sicher geeignet, die Elternkompetenz zu erhöhen, etwa Stanley Greenspan, Fitzhugh Dodson, Claudia und David Arp, Ross Campell oder Gary Chapman oder auch der Australier Steve Bidulph. Sie alle und viele andere haben ihre Webseiten. Es lohnt sich, sie mal durchzuschmökern und je nach aktueller Problemlage Tipps zu suchen. Dabei gilt es zu beachten, dass eine Kasuistik in der Erziehung nur bedingt hilfreich ist. Es ist zwar amüsant und illustrativ, sich durch die amerikanischen Geschichten zu lesen, aber für jede Familie gilt: Sie ist einzigartig und deshalb gibt es auch keine fertigen Rezepte für die Erziehung.

Elternkompetenz ist personalbezogen. Sie hängt nicht nur von den Kindern, ihren Charakteren, ihren Temperamenten, der Geschwisterfolge, den Freunden oder den Umständen ab. Ihre Qualität hängt auch ab vom Lernwillen der Eltern, ob sie lesen wollen, ob sie Zeit aufbringen für die Kinder und die eigene Bildung, ob sie Geduld aufbringen untereinander und mit den Kindern, ob sie die Prioritäten richtig setzen und vor allem: Ob sie sich mit dem wichtigsten Beruf ihres Lebens, Vater oder Mutter zu sein, identifizieren. Wer das nicht will, wird es in der Elternkompetenz nicht sehr weit bringen.

 

Hintergrund

Wir beginnen mit diesem Artikel eine kleine Reihe zum Thema Elternkompetenz. In ihr sollen in loser Folge Initiativen vorgestellt werden, die helfen, die Erziehungskompetenz der Eltern zu fördern. Wir laden ein, an dieser eher praktischen Diskussion teilzunehmen. Grundlage ist das christliche Menschenbild. Ansprechpartner ist Jürgen Liminski.

juergen@liminski.de


Artikel: https://www.die-tagespost.de/feuilleton/Kompass-fuer-die-Elternkompetenz;art310,187625

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