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Ein Charaktertyp wird in der Öffentlichkeit immer häufiger erwähnt: der Narzissmus. Um hierüber ein wenig mehr fachliche Erfahrung zu vermitteln, möchte ich heute diesen Charaktertyp ins Blickfeld rücken.

Dieser Begriff als Neuheit ist um 1899 durch den Mediziner Paul Näcke in die Psychiatrie eingewandert und von Sigmund Freud und mehreren seiner Nachfahren (Erich Fromm, Melanie Klein) aufgegriffen worden. Sehr treffend umschreibt dieser Begriff ein Personenbild aus der griechischen Mythologie.

Danach handelt es sich um einen Menschen, der in sich selbst derart verliebt ist, dass seine Hauptbeschäftigung darin besteht, sich in einem Wasser in seinem Spiegelbild selbst zu bewundern. Von dieser Symbolik ausgehend werden in der heutigen Psychologie zwei Darstellungsformen beschrieben. Die Ursprungsbedeutung zeigt sich meist schon als Schulkind in einer eher spielerischen Form der Selbstgefälligkeit, z. B. als Klassenclown, der sich durch seine auffallenden, spritzigen Äußerungen Aufmerksamkeit der Gruppe verschafft. Bei jugendlichen Ausweitungen dieser Art wird die Neigung zur Selbstdarstellung aber häufig auch positiv für den Aufbau einer Karriere verwendet, was heute außerordentlich erfolgreich sein kann, z. B. durch ein immer mehr gesteigertes schauspielerisch gekonntes Auftreten in der Öffentlichkeit. Ich bezeichne diese spielerische, tänzerische Form in meiner Typenlehre als Darstellungstyp. Bei erfolgreichem Ausbau, z. B als Entertainer, tritt dieser Typ heute häufig in Erscheinung und erweist sich im darstellenden Medienbetrieb als vielfältig gefragt. Die Realisierung als erfolgreiche Kompensation erwächst aus dem subjektiven Gefühl eines seelischen Mangels in der Kindheit. Deshalb bleibt dieser Typ sehr egozentrisch. Als Narzisst ist ihm die Bewunderung des Umfeldes nun das unbewusste seelische Ziel, meist als geschickte Kompensation von einer einst als schwerwiegend empfundenen Benachteiligung - oft gegenüber Geschwistern im familiären Umfeld.

Diese eher positive Narzissmusform möchte ich jetzt aber hintanlassen und mich allein einer zweiten Narzissmusform zuwenden, die wesentlich negativer einzuschätzen ist. Der davon befallene Mensch hat suchtartig das Ziel, mehr oder weniger wahllos einen von ihm als Konkurrent erdachten „Feind“ zu Fall zu bringen. Diese Form des Narzissmus, der unter Fachleuten auch häufig schon als toxischer Narzissmus bezeichnet wird, soll in den folgenden Zeilen den Mittelpunkt bilden. Dieser Typ tritt heute bereits öfter ins Visier, kaum aber einmal als Patient, sondern bei den Therapeuten lediglich durch die Darstellungen seiner schwer beeinträchtigten Opfer während deren Therapie. Fachkompetent beschrieben findet man das Verhalten und die Verläufe bei diesem Narzissmustyp bei der Pariser Psychoanalytikerin Marie-France Hirigoyen mit ihrem Schrifttum und besonders mit dem Werk „Die Maske der Niedertracht“.

Wie sieht das Erscheinungsbild des toxischen Narzissten aus? Es gibt ihn unter Frauen ebenso wie bei Männern, bei diesen aber wesentlich häufiger. Im primären Erscheinungsbild ist dieser Typ eher unauffällig, oft auch bereits beruflich erfolgreich, in der bürgerlichen Welt angesehen, oft auch sogar mit Familie, meistens charmant, scheinbar flexibel, schillernd, äußerlich elegant und um gesellschaftliche Anerkennung bemüht. Sein wahrer Charakter, seine raffinierten Verlaufspläne und ausbeuterischen, bösen Ziele bleiben aber grundsätzlich verdeckt. (Deshalb ist die Symbolik der Schlange der Genesis mit ihrem anschleichenden versteckten Verhalten auch eine treffende bildhafte Verdeutlichung dieses Charakters.) Seine räuberischen Vernichtungsabsichten bleiben verschleiert, ja, sie sind absichtlich undurchschaubar angelegt. Der toxische Narzisst erscheint also im Auftreten viel harmloser, als er ist. Von manchen Opfern, die sich häufig auch aus Ehefrauen oder Ehemännern ergeben, wird - nach Aufdeckung der Machenschaften - als ein auffälliges Charakteristikum immer häufiger Missgunst und Neid gegenüber den Menschen im Umfeld beschrieben. Die räuberische Absicht verrät sich im privaten Bereich zunächst lediglich dadurch, dass die gesellschaftlich Erfolgreichen im Umfeld von ihm herabgesetzt werden. Er ist der Überzeugung, dass eine zufällig in sein Blickfeld geratene allgemein geschätzte Person in ihrem Ansehen ungerechterweise gesellschaftlich zu hoch gewertet sei und dass dies nach seiner Fantasie eigentlich ihm zuzustehen habe. Auf der Ebene dieser Gestimmtheit verfestigt sich in ihm der krankhafte Plan, eine solche Person auszuschalten. Oft zeigt sich das zunächst in dem merkwürdigen Bedürfnis, selbst das zu besitzen, was der andere hat: dessen Auto, dessen Grundstück, dessen Betrieb, dessen Umfeld an Freunden. Ziemlich unlogisch, dennoch aber sehr aktiv wird dann auch von dem toxischen Narzissten versucht, sich in das Feld der ausgewählten Person heranzuschleichen, um durch Einschleimung bei Menschen im Umfeld zu versuchen, an die zu vernichtende Person heranzukommen. Um mit dieser Strategie seinen Aufmarschplan zu installieren, setzt er ohne alle Scham Lüge und Verleumdung ein, verbreitet falsche, negative Angaben über sein Zielobjekt und verharrt in falschen, ehrenrührigen Angaben, wenn jemand im Umfeld diese negativen Behauptungen bezweifelt. Dann verstärkt er diesen Eindruck durch weitere völlig aus der Luft gegriffene Lügen und beeinträchtigt so den Leumund der Person, die zu beschädigen er sich vorgenommen hat. Bei unzureichendem Erfolg bedient er sich einer Fülle unmoralischer oder einfach nur absurder Ausspähungen: So nimmt er z. B. einen vorgetäuscht freundschaftlichen Kontakt mit den Angestellten eines zu vernichtenden Chefs auf und benutzt etwa deren vorübergehende Streitigkeiten in dessen Betrieb, um die abzuschießende Person zu belasten. Aber alle diese Vorgehensweisen geschehen in verdeckter, eben schlangenhafter Mimikry, um jegliche Aufdeckung seiner echten Absichten zu vermeiden.

Da das Verhalten des toxischen Narzissten im Aufbau seines feindseligen Verhaltens Suchtcharakter hat, werden seine Bemühungen also immer mehr ausgeweitet. Oft schränkt er sogar sein berufliches Tätigkeitsfeld ein, indem er durch angeblich chronische Leiden Hilfsbedürftigkeit vortäuscht. Oder er gibt völlig unbegründet an, von der anvisierten Person gequält zu werden, die er aber in Wirklichkeit selbst quält. Doch er will damit allein mehr Handhabe zur Vernichtung des von ihm ausgewählten Opfers gewinnen. Oft gelingt ihm auch, z. B. in einem Unternehmen, ein Mobbing anzuzetteln. Er täuscht dann aber meist durch angebliches Unbeteiligtsein ein geringes Interesse vor, ja, er schiebt die einst als Komplizen eingesetzten Personen vor und lässt sie im Regen stehen, wenn im Umfeld Verdächtigungen über ein Netz von bösen Absichten aufkommen. Auch eine bis dahin heile Familie ist meist vorzüglich geeignet - besonders unter Teilnahme angeheirateter Personen -, mithilfe von Täuschungen und Parteienbildungen im Verlaufe dieses Plans Spaltungen im Clan heraufzubeschwören. Nicht selten ist zuvor die Ehefrau oder der Ehemann mithilfe von Bedrohungen - manchmal auch mit physischer Gewalt - seelisch gelähmt und schließlich genötigt worden, nun die Rolle des Komplizen einzunehmen. Hirigoyen spricht in solchen Fällen von „Hirnrissigkeit“ der durch manipulative Beeinflussungen getäuschten Personen in einem Freundeskreis, in einer Gemeinde oder in einer Familie. In solchen Fällen ist die Unterscheidung der Machenschaften schwierig, sodass z. B. Außenstehende die unwahren Hintergründe nicht durchschauen können. Dieser Verlaufsplan kommt besonders häufig vor, wenn dabei Geld im Spiel ist, z. B. wenn die betroffene Familie wohlhabend ist und für den Narzissten Hoffnung auf zu erschleichenden materiellen Gewinn nährt. In stabilen Unternehmen so zu agieren, erweist sich gelegentlich als besonders erfolgreich, wenn ein fleißiger, redlicher Chef an der Spitze steht, der - meist ahnungslos - längst zum Opfer des Bösewichts geworden ist.
 
Quintessenz: Im Kern des toxischen Narzissten befindet sich absolute Egozentrizität. Er hat grundsätzlich eine überwertige Vorstellung von seiner eigenen Größe. Dadurch ergibt sich auch die eigene starre Unnachgiebigkeit. Er stellt sein eigenes Verhalten und seine Ziele niemals infrage. So etwas wie Empathie, Mitleid oder Freundschaftlichkeit zu anderen Menschen ist ihm gänzlich fern. Doch er täuscht sie vor, wenn ihm das nützlich erscheint, und installiert sie zum Schein heuchlerisch als Freundschaft. Irgendwelche ethischen Erwägungen, Gewissensbisse und dadurch eine Einschränkung seiner Machenschaften kommen ihm nicht in den Sinn. Seine einzige Lebensberechtigung bezieht er daraus, eigentlich ein Supermann der Weltenregierung zu sein und den anderen aus dem Weg zu räumen.

Auch unter verhängnisvollen Politikern hat es diesen Charakter in der Geschichte der Menschheit in Ost und West bis heute immer einmal wieder sehr zum Unheil der entsprechenden Regionen gegeben. Erwirkt ein solcher Typ Alleinherrschaft, so entpuppt sich sein Walten durch aufgeblähte Propaganda, Desinformationen und durch Missachtung des Rechtsystems rasch als rechtlose Diktatur. Kalt und hemmungslos grausam ist ein Machthaber unter solchen Politikern und deshalb völlig unansprechbar für Interventionen und Konzessionen, erst recht nicht durch Preisgabe von widerrechtlich geraubten Regionen oder durch Hoffnung auf Nachgiebigkeit aus ethischen Motiven oder aufgrund von fairen Verhandlungen. Jegliche Form von echter Gemeinschaft auf Augenhöhe kommt dem Potentaten nicht in den Sinn. Wenn dieser Typ die Macht an sich gerissen hat, ergibt sich immer einmal wieder das gleiche schandbare Lied mit dem Ziel der Vernichtung durch Totalvereinnahmung der von ihm gewählten Personen, Volksgruppen und widerrechtlich geraubten Regionen. Heute sind wir gleich mehreren z. T. immer noch sich verschleiernden Vernichtungsplanern dieser Art ausgesetzt. Im Zuge solcher Absichten sind hierzulande bereits ungezählte mittelständische Unternehmen um ihre Existenz gebracht worden. Manche haben dadurch ihren Lebensmut verloren. Und auf privatem Sektor sind tüchtige, heile, zusammenhaltende Familien durch grandios bösen Zerstörungswillen einzelner toxischer Mitglieder in Spaltung und Auflösung geraten. Eine wahrhaft zerstörerische Szenerie macht sich deshalb jetzt im europäischen Bürgertum breit.
 
Möchten wir in später Stunde erkennen, dass das, was uns am Kragen gepackt hält, letztlich mehr ist als ein einzelner machtgieriger Mensch allein mit einem toxischen Narzissmus als Charakter, sondern dass wir durchschauen: Bei diesem Strippenzieher hinter der Szene handelt es sich um den Widersacher unseres Gottes selbst mit einer Riesenschar seiner Engel = Unterteufeln (Offb 12,7-12 und Offb 13) - Verwirrung stiftend ausgestreut unter die Menschheit.
 
Ist trotz dieser schon weit zugeklappten Falle noch Rettung der Menschheit möglich? Trotz all diesem Verhängnisvollen dürfen wir das hoffen, weil wir zur Kenntnis nehmen können, dass allein unser allmächtiger Gott im Wissen um die Menschheitsgefahr dieser im Chaos endenden Finsternis das einzig wirkkräftige Fanal - das des Lichts, des Lebens und der Wahrheit - entgegengesetzt hat: ER hat sich selbst aus Liebe für sein Geschöpf Mensch am Kreuz hingeopfert und mit seiner Auferstehung unsere berechtigte Angst vor Lebensvernichtung und grausamem Tod entmachtet. Seitdem dürfen wir wissen: In diesem Krieg wird der HERR des Universums der Sieger sein; denn sogar über unsere individuelle Leiblichkeit hinaus dürfen wir auf ein Leben in Ewigkeit hoffen.

Reinhold Schneider hat schon vor vielen Jahren ein zutreffendes Gedicht geschrieben, das heute ebenso aktuell ist wie 1936, als es entstand:

Allein den Betern kann es noch gelingen,
das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten
und diese Welt den richtenden Gewalten
durch ein geheiligt Leben abzuringen.

Denn Täter werden nie den Himmel zwingen:
Was sie vereinen, wird sich wieder spalten,
was sie erneuern, über Nacht veralten,
und was sie stiften, Not und Unheil bringen.
 
Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt
und Menschenhochmut auf dem Markte feiert,
indes im Dom die Beter sich verhüllen.

Bis Gott aus unsern Opfern Segen wirkt
und aus den Tiefen, die kein Aug` entschleiert,
die trockenen Brunnen sich mit Leben füllen.“

 

 

 

Christa Meves

 

 

 

Narzissmus
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